Leyre Mena: „Der Start des digitalen Bankgeschäfts in Deutschland ist ein sehr wichtiger Schritt im Rahmen unserer Wachstumsstrategie in Europa“

Leyre Mena: „Der Start des digitalen Bankgeschäfts in Deutschland ist ein sehr wichtiger Schritt im Rahmen unserer Wachstumsstrategie in Europa“

BBVA ist kürzlich als neuer Premium-Mitglied der Kammer beigetreten. Im folgenden Interview werfen wir einen genaueren Blick auf die Person von Leyre Mena, Country Managerin von BBVA in Deutschland sowie Head of CIB für Zentral- und Osteuropa sowie den Nahen Osten.Leyre Mena hat einen großen Teil ihrer beruflichen Laufbahn zwischen Madrid und Frankfurt verbracht. Das Leben und Arbeiten in beiden Ländern hat es ihr ermöglicht, „ihre Kulturen, ihre Arbeitsweisen und ihre jeweiligen Stärken aus nächster Nähe kennenzulernen“. Im folgenden Gespräch sprechen wir über die Aktivitäten und das Wachstum von BBVA in Deutschland sowie über die aktuellen Herausforderungen, denen sich die Bank gegenübersieht.

 

(F) Sie sind vor mehr als zwei Jahrzehnten bei BBVA eingestiegen. Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang innerhalb der Bank erzählen und darüber, wie Sie schließlich die Verantwortung für BBVA in Zentral- und Osteuropa sowie im Nahen Osten übernommen haben?
Meine Laufbahn bei BBVA begann im Jahr 2003 im Risikobereich. Seitdem hatte ich die Gelegenheit, meine Karriere in verschiedenen Funktionen im Corporate- und Investmentbanking weiterzuentwickeln. In den vergangenen mehr als zwanzig Jahren war ich sowohl in Madrid als auch in Frankfurt tätig und habe Aufgaben in den Bereichen Analyse, Kreditrisikobewertung sowie der Führung internationaler Teams übernommen.
 
Ein wesentlicher Teil meiner beruflichen Entwicklung ist eng mit Deutschland verbunden. 2009 zog ich nach Frankfurt und übernahm von dort aus schrittweise die Verantwortung für verschiedene europäische Märkte, bis ich schließlich das Risikomanagement für Europa leitete. Anschließend kehrte ich nach Madrid zurück, um weltweit die Teams für die Kreditrisikobewertung im Corporate- und Projektfinanzierungsgeschäft zu führen.
 
Seit Januar 2024 habe ich die Ehre, als Country Managerin von BBVA in Deutschland sowie als Head of CIB für Zentral- und Osteuropa und den Nahen Osten tätig zu sein. Diese Aufgabe ist besonders spannend, da sie die Arbeit in sehr unterschiedlichen Märkten mit der Begleitung großer Unternehmen und Investoren bei ihren Wachstums-, Internationalisierungs- und Transformationsprojekten verbindet.
 
(F) Ihre Karriere hat Sie in verschiedene Märkte und internationale Arbeitsumfelder geführt. Welche Erfahrungen haben Ihren Führungsstil und Ihren Ansatz zur Geschäftsentwicklung besonders geprägt?
Die Arbeit in einem internationalen Umfeld hat mich gelehrt, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, Dinge zu tun. Jeder Markt verfügt über seine eigene Unternehmenskultur, seine Art, Beziehungen aufzubauen, und seine strategischen Prioritäten. Diese Unterschiede zu verstehen und als Stärke zu nutzen, ist entscheidend für eine erfolgreiche Führung.
 
Ebenso habe ich gelernt, dass die besten Ergebnisse in vielfältigen Teams entstehen, deren Mitglieder unterschiedliche Kompetenzen mitbringen und eine gemeinsame Vision verfolgen. Vertrauen, Transparenz und die Fähigkeit zuzuhören sind grundlegende Voraussetzungen, um Engagement zu fördern und Innovation zu ermöglichen.
 
Aus geschäftlicher Sicht gehört zu den wichtigsten Erkenntnissen die Bedeutung einer langfristigen Kundenbegleitung. Nachhaltige Geschäftsbeziehungen entstehen dadurch, dass man die strategischen Herausforderungen der Kunden versteht und Lösungen anbietet, die sich gemeinsam mit ihren Bedürfnissen weiterentwickeln.
 
(F) Deutschland ist eine der wichtigsten Volkswirtschaften Europas und ein zentraler Partner Spaniens. Welche Chancen sieht BBVA auf dem deutschen Markt, und welche Rolle spielt Deutschland in der internationalen Strategie der Bank?
Deutschland ist aufgrund seiner industriellen Stärke, seiner technologischen Innovationskraft und seiner Exportorientierung eine der führenden Volkswirtschaften der Welt. Für BBVA ist das Land ein strategisch bedeutender Markt – sowohl wegen des hohen Unternehmensaufkommens als auch aufgrund des wachsenden Interesses deutscher Unternehmen an Projekten im Bereich der Energiewende, der Digitalisierung und der Infrastruktur.
 
Zudem verbindet Deutschland und Spanien eine besonders enge wirtschaftliche Beziehung. Der intensive Handels- und Investitionsaustausch in beide Richtungen eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, unsere Kunden bei ihrer internationalen Expansion zu begleiten.
 
Wir bei BBVA möchten unsere Präsenz in Deutschland weiter ausbauen und dabei auf unsere internationale Erfahrung, unsere Finanzierungskompetenz sowie unser fundiertes Know-how in den für das europäische Wirtschaftswachstum entscheidenden Sektoren setzen.
 
(F) In Ihrer Funktion arbeiten Sie eng mit großen Unternehmen und Investoren zusammen. Welche Bedürfnisse und Herausforderungen beschäftigen derzeit Unternehmen, die zwischen Deutschland und Spanien tätig sind?
Unternehmen bewegen sich derzeit in einem Umfeld tiefgreifender Veränderungen. Die Wettbewerbsfähigkeit angesichts des rasanten technologischen Wandels, geopolitischer Spannungen und neuer regulatorischer Anforderungen zu sichern, stellt sowohl für deutsche als auch für spanische Unternehmen eine zentrale Herausforderung dar.
 
Hinzu kommen die Anforderungen der Energiewende und der Dekarbonisierung der Wirtschaft, die erhebliche Investitionen und eine langfristige Planung erfordern.
 
Vor diesem Hintergrund schätzen Unternehmen insbesondere Finanzpartner, die nicht nur Finanzierungslösungen anbieten, sondern auch Branchenexpertise, internationale Perspektiven und strategische Begleitung bei der Umsetzung komplexer und grenzüberschreitender Projekte.
 
(F) Nachhaltigkeit und die Energiewende verändern die europäische Unternehmenslandschaft grundlegend. Wie begleitet BBVA ihre Kunden in diesem Transformationsprozess?
Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Bestandteil der Unternehmensstrategie geworden. Bei BBVA verstehen wir unsere Rolle darin, diesen Wandel zu ermöglichen, indem wir unsere Kunden dabei unterstützen, Chancen für nachhaltiges Wachstum zu identifizieren und die dafür notwendigen Investitionen zu mobilisieren.

Wir begleiten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen bei Projekten in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Elektrifizierung und nachhaltige Mobilität – um nur einige Beispiele zu nennen.

Unser Ziel ist es, spezialisierte Beratung, Finanzierungskompetenz und fundierte Kenntnisse der regulatorischen Rahmenbedingungen zu verbinden, damit unsere Kunden ihre Nachhaltigkeitsziele wirtschaftlich erfolgreich und wettbewerbsfähig erreichen können.

(F) Die Digitalisierung gehört zu den strategischen Säulen von BBVA. Erst kürzlich haben Sie in Deutschland eine vollständig digitale Bank eingeführt. Welche Projekte verfolgen Sie derzeit in diesem Bereich?
Innovation und Digitalisierung gehören seit vielen Jahren zur DNA von BBVA. Der jüngste Start unseres digitalen Bankangebots in Deutschland ist ein bedeutender Meilenstein unserer Wachstumsstrategie in Europa.

Wir möchten unseren Kundinnen und Kunden ein einfaches, transparentes und vollständig digitales Bankerlebnis bieten – gestützt auf modernste Technologie und ein Angebot, das konsequent auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist.

Über diesen Marktstart hinaus investieren wir weiterhin in Kompetenzen rund um künstliche Intelligenz, Datenanalyse, Prozessautomatisierung und die Personalisierung von Dienstleistungen. Unser Ziel ist es, das Kundenerlebnis kontinuierlich effizienter und noch stärker differenzierend zu gestalten.

(F) Welche Merkmale zeichnen deutsche Privatkunden aus und unterscheiden sie von Kunden in anderen Märkten?
Deutsche Privatkunden legen in der Regel besonderen Wert auf Transparenz, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Vertrauensvolle Beziehungen sind ihnen wichtig, ebenso wie eine hohe Servicequalität und klar verständliche Angebote.

Gleichzeitig beobachten wir – insbesondere bei jüngeren Generationen – eine wachsende Offenheit gegenüber innovativen digitalen Lösungen, sofern diese einen konkreten Mehrwert bieten und gleichzeitig hohe Standards beim Datenschutz und bei der Datensicherheit gewährleisten.

Gerade diese Kombination aus hoher finanzieller Reife und einer zunehmenden Nachfrage nach Innovation macht den deutschen Markt besonders interessant.

(F) Wie kann BBVA dazu beitragen, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland im Rahmen der Kammer weiter zu stärken?
Dank unserer Präsenz in beiden Ländern und unserer langjährigen Erfahrung in der Begleitung international tätiger Unternehmen kann BBVA eine besondere Perspektive einbringen.

Wir möchten den Wissensaustausch fördern, Kooperationsmöglichkeiten zwischen spanischen und deutschen Unternehmen aufzeigen und Initiativen unterstützen, die Investitionen, Innovation und nachhaltiges Wachstum voranbringen.

Die Kammer spielt dabei eine zentrale Rolle als Plattform für den Austausch zwischen beiden Wirtschaftsökosystemen. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer praxisnahen Perspektive, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen von Unternehmen und Investoren orientiert, einen wertvollen Beitrag leisten können.

(F) Abschließend: Haben Sie auch eine persönliche Verbindung zu Deutschland?
Ja, meine Beziehung zu Deutschland geht weit über den beruflichen Kontext hinaus. Ich begann bereits mit 17 Jahren Deutsch zu lernen und setzte meine Sprachkenntnisse auch nach meinem Eintritt bei BBVA kontinuierlich fort.

2009 zog ich aus beruflichen Gründen nach Frankfurt. Dort lernte ich meinen Mann kennen, der Deutscher ist. Seitdem spielt sich unser Leben zwischen Deutschland und Spanien ab: Von 2009 bis 2020 lebten wir in Frankfurt, anschließend mehrere Jahre in Madrid und seit Anfang 2024 sind wir wieder nach Frankfurt zurückgekehrt.

Deutschland ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil meiner persönlichen Geschichte. Durch das Leben in beiden Ländern konnte ich ihre Kulturen, ihre Arbeitsweisen und ihre jeweiligen Stärken aus nächster Nähe kennenlernen. Gerade deshalb schätze ich jede Initiative, die dazu beiträgt, die wirtschaftlichen und menschlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien weiter zu vertiefen.