Jaime Banús: „Unsere Mission ist es, sowohl Privatkunden als auch Firmenkunden eine hochwertige, flexible und zuverlässige Mobilität zu bieten“

Jaime Banús: „Unsere Mission ist es, sowohl Privatkunden als auch Firmenkunden eine hochwertige, flexible und zuverlässige Mobilität zu bieten“

Grupo Auro, Premium-Mitglied der Kammer, versteht sich als Unternehmen für urbane Mobilität und Logistik, das sich derzeit in einem internationalen Expansionsprozess befindet, mit besonderem Fokus auf Deutschland. Dort ist das Unternehmen auf zwei Ebenen aktiv: in der Last-Mile-Logistik und im Personenverkehr. Im folgenden Interview berichtet ihr Geschäftsführer Jaime Banús über die Schritte, die das Unternehmen in einem Sektor unternommen hat, der vor wenigen Jahren „praktisch nicht existent“ war und an dessen Aufbau sie aktiv beteiligt waren.

 
(F) Wie haben Sie die Handelskammer kennengelernt und wann haben Sie sich entschieden, Mitglied zu werden?
Ich kannte die Handelskammer vom Hörensagen, aber letztlich war es ein Zufall, der mich dazu brachte, sie näher kennenzulernen und schließlich die Entscheidung zu treffen, Mitglied zu werden. Wir hatten im Sommer 2025 unsere Expansion nach Deutschland begonnen und sahen uns von Anfang an mit der für das Land typischen bürokratischen Komplexität konfrontiert. Auf einem meiner Rückflüge aus Berlin zwang uns ein Defekt im Flugzeug zu einer ungeplanten Zwischenlandung. Während wir auf einen Ersatzflug warteten, hatte ich das Glück, ein Mitglied des Vorstands sowie den Geschäftsführer eines anderen Mitgliedsunternehmens kennenzulernen.
 
Durch dieses Gespräch wurde mir der tatsächliche Mehrwert der Organisation bewusst. Beide ermutigten mich, einen Beitritt in Betracht zu ziehen, und ich erkannte sofort die große Chance: den Kontakt zu anderen in Deutschland tätigen Unternehmen zu knüpfen und zukünftige Synergien zu erkunden.
 
(F) Könnten Sie uns zunächst Grupo Auro und ihre Hauptmission vorstellen?
Grupo Auro ist ein spanisches Unternehmen für urbane Mobilität, spezialisiert auf bedarfsorientierten Personenverkehr. Wir operieren im Rahmen von Mietwagen mit Fahrer (VTC) und sind in den wichtigsten Städten Spaniens tätig, in Zusammenarbeit mit Uber, mit dem wir eine strategische Partnerschaft als Referenzbetreiber pflegen.
 
Unsere Mission ist es, hochwertige, flexible und zuverlässige Mobilität sowohl für Privatkunden als auch für Geschäftskunden anzubieten, gestützt auf Technologie, eine gut verwaltete Flotte und ein Team professioneller Fahrer. In den letzten Jahren haben wir zudem den Schritt zur Internationalisierung vollzogen und unsere Expansion nach Deutschland gestartet, wo wir unser Modell an ein anderes regulatorisches Umfeld anpassen.
 
(F) Welche wichtigen Meilensteine gab es in der Entwicklung des Unternehmens?
Die Geschichte der Grupo Auro ist eng mit der Entwicklung des VTC-Sektors in Spanien verbunden – darauf sind wir besonders stolz. Zunächst waren wir aktive Akteure beim Aufbau eines Sektors, der damals praktisch nicht existierte. Als wir unsere Tätigkeit aufnahmen, gab es in Spanien keinen klaren regulatorischen Rahmen für den Personenverkehr über digitale Plattformen. Wir haben uns direkt an Branchendebatten und regulatorischen Prozessen beteiligt, die zur heutigen Gesetzgebung geführt haben, und damit dazu beigetragen, die Spielregeln in einem Markt zu definieren, der heute Milliardenumsätze generiert und tausende Arbeitsplätze im ganzen Land schafft.
 
Ein entscheidender Meilenstein war die Schaffung eines günstigen regulatorischen Rahmens, der sowohl Betreibern als auch Fahrern und Nutzern Rechtssicherheit bot. Dieser Prozess war keineswegs einfach – er erforderte jahrelangen Austausch mit öffentlichen Verwaltungen und eine konsequente Verteidigung unseres Modells –, führte jedoch letztlich zu einem professionalisierten Sektor mit klaren Regeln.
 
Parallel dazu haben wir unser Tätigkeitsfeld erweitert. Wir gründeten Closer Logistics, unsere Tochtergesellschaft für Last-Mile-Logistik, die sowohl Paketzustellung als auch Essenslieferungen übernimmt. Diese Geschäftslinie ermöglichte es uns, unser Leistungsangebot zu diversifizieren und operative Synergien mit unserer Flotte und unserer Fahrerstruktur zu nutzen. Darüber hinaus haben wir einen spezifischen Bereich für Unternehmens- und institutionellen Transport aufgebaut und bieten Dienstleistungen für Unternehmen und öffentliche Organisationen an, die strukturierte, zuverlässige und maßgeschneiderte Mobilitätslösungen benötigen.
 
Der vielleicht wichtigste Meilenstein unserer jüngeren Unternehmensgeschichte ist die Konsolidierung unserer strategischen Partnerschaft mit Uber, die weit über eine rein kommerzielle Beziehung hinausgeht. Uber ist mit einem Anteil von 30% in unser Unternehmen eingestiegen, was das Vertrauen dieses globalen Unternehmens in unser Geschäftsmodell und unser Team widerspiegelt. Diese Partnerschaft verschafft uns Zugang zu Technologie, Volumen und internationaler Sichtbarkeit und positioniert uns als einen der führenden VTC-Betreiber in Südeuropa..
 
(F) Welche Dienstleistungen bieten Sie aktuell an und in welchen Bereichen sind Sie besonders aktiv?
Grupo Auro ist derzeit in drei wesentlichen Geschäftsbereichen tätig. Der wichtigste Bereich ist der bedarfsorientierte Personenverkehr über die Plattform Uber, wobei wir mit VTC-Lizenzen in den wichtigsten Städten Spaniens operieren. Dies ist unsere ursprüngliche Tätigkeit und bildet den Kern der Gruppe.
 
Der zweite Bereich ist der Unternehmens- und institutionelle Transport. Hier bieten wir Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen maßgeschneiderte Mobilitätslösungen an, die strukturiert, zuverlässig und auf ihre spezifischen Anforderungen zugeschnitten sind.
 
Der dritte Bereich betrifft die Last-Mile-Logistik über unsere Tochtergesellschaft Closer Logistics, die sowohl Paketzustellungen als auch Essenslieferungen übernimmt und ebenfalls mit digitalen Plattformen wie Uber Eats zusammenarbeitet.
 
Insgesamt sind wir ein Unternehmen für urbane Mobilität und Logistik mit Präsenz in Spanien und einem laufenden internationalen Expansionsprozess.
 
(F) Was hat Sie dazu bewogen, nach Deutschland zu expandieren?
Die Entscheidung, nach Deutschland zu expandieren, entstand aus einer Gelegenheit, die wir gemeinsam mit unserem strategischen Partner Uber identifiziert haben, der bereits auf dem deutschen Markt tätig war und uns dessen Potenzial aufgezeigt hat.
 
Deutschland teilt mit Spanien einen regulatorischen Rahmen für den Personenverkehr mit Fahrer, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Es gibt keine Begrenzung der Anzahl der VTC-Lizenzen, die vergeben werden können. Das schafft ein deutlich offeneres Umfeld für Wachstum und den Eintritt neuer, skalierbarer Anbieter.
 
Darin sahen wir eine klare Chance. Auro ist seit Jahren in einem der am stärksten regulierten und wettbewerbsintensivsten Märkte Europas tätig, was uns dazu gezwungen hat, ein sehr effizientes operatives Management, ein tiefes Verständnis des Geschäfts sowie eine an anspruchsvolle Rahmenbedingungen angepasste Technologie zu entwickeln. Genau diese gesammelte Erfahrung unterscheidet uns und ist aus unserer Sicht der Schlüssel, um in einem Markt wie dem deutschen echten Mehrwert zu schaffen – einem Markt, der noch erhebliches Entwicklungspotenzial bietet.
 
(F) Was unterscheidet Grupo Auro von anderen Unternehmen der Branche?
Was uns auszeichnet, sind vor allem unsere Erfahrung und unsere Technologie. Wir sind seit Jahren in einem der am stärksten regulierten und wettbewerbsintensivsten Mobilitätsmärkte Europas tätig. Dadurch konnten wir äußerst effiziente Prozesse entwickeln und fundierte Branchenkenntnisse erwerben, die auf andere Weise nur schwer zu erlangen sind. Diese Erfahrung haben wir in eine eigene Technologieplattform einfließen lassen, die es uns ermöglicht, Flotte, Fahrer und Nachfrage auf integrierte und skalierbare Weise zu verwalten.
 
(F) Welche Ziele verfolgen Sie in Deutschland kurz- und mittelfristig?
Unsere Präsenz in Deutschland entwickelt sich parallel auf zwei Ebenen. In der Last-Mile-Logistik sind wir bereits operativ tätig. Wir haben unsere Lieferaktivitäten für Essenszustellungen in Berlin und Hamburg gestartet und planen kurzfristig die Ausweitung auf weitere Städte. Diese Geschäftslinie ermöglicht es uns, von Beginn an Umsätze zu generieren, den lokalen Markt kennenzulernen und eine operative Struktur aufzubauen, die als Grundlage für die weiteren Geschäftsbereiche dient.
 
Im Bereich Personenverkehr befinden wir uns derzeit in der Phase der Lizenzbeantragung, ein Prozess, den wir voraussichtlich in naher Zukunft abschließen werden. Gleichzeitig waren wir keineswegs untätig: Wir haben bereits ein lokales Team aufgebaut und die notwendigen Einrichtungen vorbereitet, um unmittelbar nach Erteilung der Genehmigungen starten zu können.
 
Unser mittelfristiges Ziel ist es, beide Geschäftsbereiche in den wichtigsten deutschen Städten zu etablieren und das in Spanien erfolgreich entwickelte Modell zu replizieren – selbstverständlich angepasst an die Besonderheiten des lokalen Marktes.
 
(F) Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind zentrale Themen im heutigen Geschäftsumfeld, auch in Deutschland. Wie integriert Auro Group diese in seine Strategie und welche konkreten Initiativen verfolgen Sie in diesen Bereichen?
Im Bereich Nachhaltigkeit setzen wir von Anfang an auf eine Flotte umweltfreundlicher Fahrzeuge mit niedrigen Emissionen. Dies ist ein bewusster Ausgangspunkt, der den zunehmend strengeren Umweltanforderungen entspricht, die sowohl Deutschland als auch die Europäische Union vorantreiben. Dabei bleiben wir jedoch nicht stehen: Derzeit arbeiten wir am Aufbau der notwendigen Ladeinfrastruktur, um den nächsten Schritt zu gehen – nämlich die Integration von vollständig elektrischen, emissionsfreien Fahrzeugen. Dieser Prozess erfordert Investitionen und sorgfältige Planung, ist jedoch bereits im Gange und soll kurzfristig abgeschlossen werden.
 
Was die Digitalisierung betrifft, ist sie ein integraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Wir sind in einem Sektor tätig, der von Beginn an digital geprägt war, und haben eigene technologische Kompetenzen entwickelt, um Flotte, Fahrer und Betriebsabläufe effizient und skalierbar zu steuern. Diese digitale Infrastruktur ermöglicht es uns, flexibel in neue Märkte zu expandieren, ohne dabei die operative Kontrolle zu verlieren.
 
(F) Was möchten Sie zur Unternehmerschaft der Kammer beitragen und welche Art von Synergien möchten Sie schaffen?
Unsere Absicht beim Beitritt zur Kammer ist es, ein aktives Mitglied zu sein, kein passiver Partner. Wir sind überzeugt, dass wir konkrete Beiträge leisten können und gleichzeitig viel von denen lernen können, die bereits seit längerem in Deutschland tätig sind.
 
Was wir anbieten können, ist insbesondere unsere Erfahrung im Umgang mit komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen. Diese kann für andere Unternehmen hilfreich sein, die im deutschen Markt vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Wir haben gelernt, in einem stark regulierten Sektor zu operieren, mit Behörden zu kommunizieren und unser Geschäftsmodell an sich ständig ändernde regulatorische Anforderungen anzupassen – dieses Wissen ist übertragbar.
 
Im Hinblick auf Synergien sehen wir die größten Möglichkeiten bei Unternehmen, die Mobilitäts- oder urbane Logistiklösungen benötigen – sei es für ihre Mitarbeiter, ihre operativen Abläufe oder ihre Kunden. Darüber hinaus interessiert uns vor allem der Aufbau von Beziehungen zu anderen spanischen Unternehmern, die ebenfalls in Deutschland aktiv sind, der Austausch von Markterfahrungen und die Entwicklung von Kooperationsmodellen, die für beide Seiten sinnvoll sind.
 
(F) Zum Abschluss: Welche Botschaft möchten Sie anderen spanischen Unternehmen mitgeben, die an Ihren Dienstleistungen interessiert sein könnten?
Ob es darum geht, Transportdienstleistungen für Ihre lokalen Teams bereitzustellen, die Mobilität von Führungskräften oder Kunden zu organisieren oder Last-Mile-Logistikbedarfe zu lösen – Auro kann vom ersten Tag an ein nützlicher Partner sein. Wir wissen, was es bedeutet, in einen neuen Markt einzutreten, sich mit dessen Bürokratie auseinanderzusetzen und operative Strukturen von Grund auf aufzubauen. Diese Erfahrung stellen wir all jenen zur Verfügung, die denselben Weg gehen.
 
Und über die Dienstleistungen hinaus möchten wir Ihnen als Weggefährten die Hand reichen. Wir sind überzeugt, dass spanische Unternehmen in Deutschland viel gewinnen können, wenn sie miteinander kooperieren, Kontakte teilen, voneinander lernen und Chancen gemeinsam nutzen. Genau aus diesem Grund sind wir hier, in der Kammer.