Josu Egea, Präsident von ENÉRGICA: „Wir wollen eine gemeinsame Stimme der Branche aufbauen.
JOSU EGEA, Präsident von ENÉRGICA: "Wir wollen eine gemeinsame Stimme der Branche aufbauen"
Im folgenden Interview steht Josu Egea, Präsident von ENÉRGICA, der Kammer Rede und Antwort, um den Hub vorzustellen. Dieser vereint Unternehmen aus dem Energiesektor mit einem gemeinsamen Ziel: eine gebündelte Stimme zu schaffen, um Synergien zu fördern und Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Das Gespräch beleuchtet die Gegenwart einer Gruppe, die derzeit aus 13 Unternehmen besteht, sowie ihre Zukunftsabsichten.
(F) Zunächst: Wie würdest du in wenigen Worten erklären, was ENÉRGICA ist und warum diese Gruppe innerhalb der Kammer entstanden ist?
ENÉRGICA ist ein Hub im Energiesektor, der europäische Unternehmen mit Aktivitäten oder Interesse am deutschen Markt miteinander vernetzt, insbesondere im deutsch-spanischen Kontext. Ziel ist es, praxisnahes Wissen zu generieren und gemeinsame Projekte zu beschleunigen, die die Energiewende vorantreiben.
Wir sprechen von Energie im weitesten Sinne: nicht nur erneuerbare Energien, sondern das gesamte Energie-Ökosystem, einschließlich Infrastruktur, Industrie, Elektrifizierung, Effizienz und technologischer Lösungen. Darüber hinaus wollen wir mehr sein als nur ein Treffpunkt: Wir möchten eine gemeinsame Stimme des Sektors aufbauen – einen Raum, in dem Unternehmen durch Zusammenarbeit mehr Gewicht und stärkere Einflussmöglichkeiten gegenüber Institutionen, Handelskammern, Branchenverbänden und internationalen Messen gewinnen.
(F) Welche Bedürfnisse im deutsch-spanischen Energieökosystem haben zur Gründung der Gruppe geführt?
Wir haben vor allem drei Bedürfnisse identifiziert: das Fehlen einer strukturierten Vernetzung zwischen den Akteuren des Energieökosystems, den Bedarf an praktischem Wissensaustausch und realen Erfahrungen sowie die Schwierigkeit, Networking in konkrete Projekte zu überführen.
Zudem haben wir festgestellt, dass viele Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe – ähnliche Herausforderungen teilen, etwa regulatorische Fragen, komplexe rechtliche Rahmenbedingungen oder konjunkturelle Marktsituationen. In diesem Kontext ermöglicht ENÉRGICA, diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen, Erfahrungen zu teilen und Lösungen aus verschiedenen Perspektiven zu entwickeln.
(F) ENÉRGICA bezeichnet sich als „kollaborativen Hub“. Welche konkreten Synergien oder Kooperationen sollen entstehen?
Wir streben sehr konkrete und umsetzbare Synergien an: von der Entwicklung gemeinsamer Projekte über technologische und industrielle Kooperationen bis hin zum Austausch von Best Practices, Know-how, Kontakten und dem Zugang zu wertvollen Netzwerken.
Unser Ziel ist es, dass Verbindungen nicht oberflächlich bleiben, sondern den Zugang zu realen Chancen erleichtern – etwa zu lokalen Partnern, potenziellen Kunden oder wichtigen Akteuren im Ökosystem. Darüber hinaus geht es nicht nur um unternehmerische Synergien, sondern auch darum, eine kritische Masse zu schaffen, die dem Sektor eine stärkere und koordinierte Stimme verleiht.
(F) Welche Unternehmen sollten eine Mitgliedschaft bei ENÉRGICA in Betracht ziehen? Nur große Konzerne oder auch KMU? Nur spanische oder auch deutsche Unternehmen?
ENÉRGICA steht allen europäischen Unternehmen im Energiesektor offen, deren Tätigkeitsfeld mit Deutschland und Spanien verbunden ist. Der Energiesektor wird dabei breit verstanden: von erneuerbaren Energien über Industrie, Netze, Eigenverbrauch, Energieeffizienz bis hin zu digitalen Lösungen.
Angesprochen sind Großunternehmen, KMU, Start-ups sowie Industrie- und Technologieunternehmen. Entscheidend ist nicht die Größe oder Herkunft, sondern die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Gerade diese Vielfalt ist ein zentraler Wert der Gruppe: Jedes Unternehmen bringt unterschiedliche Perspektiven und Bedürfnisse ein – sei es in Bezug auf Regulierung, Markt oder Geschäftsentwicklung – und bereichert damit das gesamte Ökosystem.
(F) Welche konkreten Vorteile hat ein Unternehmen durch den Beitritt zur Gruppe (Networking, Sichtbarkeit, Projekte etc.)?
Die Vorteile gehen über klassisches Networking hinaus. Dazu gehören unter anderem der Zugang zu einem qualifizierten Netzwerk europäischer Unternehmen, die zwischen Spanien und Deutschland aktiv sind, die Generierung realer Geschäfts- und Kooperationsmöglichkeiten, die Teilnahme an gemeinsamen Projekten, der Austausch von Wissen und Erfahrungen sowie eine höhere Sichtbarkeit im Energieökosystem.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist zudem die Zugehörigkeit zu einer kollektiven Stimme. In einem zunehmend regulierten und wettbewerbsintensiven Umfeld ermöglicht uns die Zusammenarbeit, mehr Gewicht zu haben und auf institutioneller Ebene, in Handelskammern, Branchenverbänden und großen Fachforen gehört zu werden.
(F) Welche Rolle können spanische Unternehmen deiner Ansicht nach in der Energiewende in Deutschland spielen?
Spanische Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle. Spanien ist ein Vorreiter bei erneuerbaren Energien, aber auch in der Projektentwicklung, im Ingenieurwesen, bei industriellen Lösungen und in der Energieeffizienz. Dadurch können sie im gesamten Energieökosystem Mehrwert schaffen – nicht nur in der Erzeugung, sondern auch in der Elektrifizierung, Prozessoptimierung und Integration von Technologien in einem Markt wie Deutschland, der umfassende Lösungen benötigt.
(F) Wie würdest du den aktuellen Stand des Energiesektors in Deutschland beschreiben, insbesondere im Hinblick auf Energiewende und Versorgungssicherheit?
Deutschland befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Es besteht ein klares Bekenntnis zur Dekarbonisierung, gleichzeitig gibt es jedoch große Herausforderungen in den Bereichen Versorgungssicherheit, Elektrifizierung und Infrastruktur. Dies führt zu einem sehr dynamischen Umfeld mit großen Chancen, aber auch technischer, regulatorischer und operativer Komplexität.
(F) Was sind derzeit die wichtigsten Chancen und zugleich die größten regulatorischen oder marktbezogenen Herausforderungen für Unternehmen, die in Deutschland tätig werden wollen?
Die Chancen erstrecken sich über das gesamte Energiesystem: erneuerbare Energien, industrieller Eigenverbrauch, Elektrifizierung, Digitalisierung, Energieeffizienz und Systemintegration. Gleichzeitig gibt es erhebliche Herausforderungen, da viele Unternehmen mit komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen, häufigen Gesetzesänderungen und marktspezifischen Situationen konfrontiert sind, die je nach Größe oder Positionierung unterschiedlich wirken.
Gerade deshalb ist der Erfahrungsaustausch in einer Gruppe wie ENÉRGICA entscheidend: Er hilft, Risiken frühzeitig zu erkennen, das Umfeld besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
(F) Mit Blick auf die Zukunft: Wie sollte sich ENÉRGICA in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?
Unser Ziel ist es, ENÉRGICA als führenden Energie-Hub zwischen Spanien und Deutschland zu etablieren. Kurz- bis mittelfristig möchten wir die Mitgliederzahl erhöhen, mehr kollaborative Projekte initiieren, die Sichtbarkeit der Gruppe steigern und Partnerschaften mit Institutionen und Schlüsselakteuren ausbauen. Letztlich wollen wir uns von einem Treffpunkt zu einem echten Motor für Projekte und Einfluss im Sektor entwickeln.
(F) Abschließend: Welche Botschaft würdest du Unternehmen aus dem Energiesektor mitgeben, die in Deutschland tätig sind oder tätig werden möchten?
Deutschland ist ein Markt voller Chancen, aber auch komplex und anspruchsvoll. Diese Chancen beschränken sich nicht nur auf erneuerbare Energien, sondern betreffen das gesamte Energiesystem. Unsere Botschaft ist klar: Erfolg entsteht nicht durch isoliertes Handeln, sondern durch Zusammenarbeit. Bei ENÉRGICA sind wir überzeugt, dass Unternehmen durch Zusammenarbeit nicht nur Chancen teilen, sondern auch an Relevanz, Sichtbarkeit und Einfluss gewinnen. Diese kollektive Stärke ist entscheidend, um gehört zu werden und die Energiewende in Europa wirklich voranzubringen.
